marcus matthias keupp

geboren 1977. autodidakt. professioneller künstler seit 2008. wurde von jürgen blum eingeladen, im museum of modern art in hünfeld (deutschland) auszustellen. machte eine serie von werken für die  schweizer pharmafirma roche pharma ag. erhielt eine besprechung von martin kraft. schrieb viele texte. seit 2010 vertreten von der galerie kunstwarenhaus in zürich. ich mache bildobjekte und installationen durch konstruktion komplexer systeme aus industriell gefertigten modulen. ich glaube, dass alles in diesem universum als ein kreislauf modularer konstruktion und dekonstruktion beschrieben werden kann. bitte lesen sie mein buch (deutsche version 26 mb) um mehr zu erfahren. auf deutsch umstellen / switch to english

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erhielt der künstler marcus matthias keupp gelegenheit, den versammelten rps mitarbeitenden seine werke zu erläutern, die neu alle etagen des pharma-schweiz-gebäudes schmücken. als der künstler marcus matthias keupp seine auftragsarbeit für roche pharma (schweiz) ag startete, hatte er nach eigenen angaben keine ahnung von biochemie. als anstoss für seine intensive beschäftigung mit dem thema - die letztlich in 16 bildern endete - diente das foto einer tumorzelle. ziel seiner kunst ist die identifikation und abbildung harmonischer konstruktiver prinzipien. also hat er sich darangemacht, die zelle zu zerlegen, ihre geometrischen strukturen aufzubrechen. für roche wirkstoffe hat er die gemeinsame struktur herausgearbeitet. er hat sich in das thema vertieft, hat immer wieder bei portfolio managern angeklopft und sie löcher in den bauch gefragt, wollte beispielsweise informationen über bindungswinkel von atomen und ist so beinahe selbst zum biochemiker geworden. er selbst sagt von sich, dass er so lange forscht, bis er das prinzip begriffen hat. dann erst entwirft er einen bildplan nach verbindlichen regeln. er arbeitet mit schnittproportionen wie dem goldenen schnitt, fibonacci-reihen und algorithmen, die nach strengen prinzipien die positionen und interaktionen der verschiedenen bildelemente vorgeben. keupp hat eine streng rationale strukturierte art kunst zu machen da ist kein platz für emotion oder expression. bei der konkreten herstellung des werks wird dann dieser bildplan mithilfe spezieller tinten auf eine aluminiumplatte übertragen. jedes bild ist ein unikat, wird also nur ein einziges mal hergestellt.   morgen  die art und weise, wie ich bisher gearbeitet habe, empfinde ich heute als beschränkung, als eine winzige untergruppe der kunstschöpferischen möglichkeiten, die mir im prinzip zur verfügung stehen.   dieses beschränkungs-gefühl ergibt sich aus meiner überzeugung, dass der eigentliche kern meines künstlerischen schaffens nicht das visuell-bildnerische gestalten, sondern das erzeugen komplexer systeme aus modulen ist. mit anderen worten, ich forme installationen von modulen. mit dem begriff installation bezeichne ich das wiederholte anordnen und verschalten eines grundelements (des moduls), um ein komplexes system zu erzeugen.   das modul ist in den allermeisten fällen eine regelmässige geometrische fläche oder ein geometrischer körper. das system besteht ausschliesslich aus sich wiederholenden einheiten des moduls sowie den beziehungen (z.b. verbindungen, winkeln, überschneidungen) der einzelnen module. die künstlerische leistung liegt für mich im installieren solcher komplexer modularer systeme, d.h. im kognitiven akt, systematische anordnungen des moduls zu identifizieren und dann zu konstruieren. dies ist auch die konstruktive grundidee aller bilder, die ich bisher geschaffen habe.  die vorbilder für solche modularen installationen entdecke ich in komplexen systemen der realen welt. ich treibe mich oft stundenlang in industriegebieten und grossbaustellen wie dem hafen basel-kleinhüningen und dem areal zürich-west umher. in den dort vorherrschenden komplexen industriellen systemen (containerterminals, -stapel und -kräne, gleissysteme, rangieranlagen, güterzüge, grosse anzeigetafeln komplizierter elektrischer schaltsysteme, schalt- und serverschränke) erkenne ich intuitiv eine ästhetische qualität, obwohl wahrscheinlich die wenigsten menschen industrieareale intuitiv als schön empfinden würden. es geht mir aber nicht um die ästhetische erscheinung von zügen, kränen oder gleisen, sondern um ihre inhärente modulare struktur, ihr vermögen, aus einfachen grundelementen komplexe systeme zu errichten, die elegant und zielgerichtet ihre arbeit tun. aus der speziellen beobachtung (ein containerterminal) versuche ich ein allgemeines prinzip zu extrahieren (ein komplexes, geordnetes, modular aufgebautes system). diese methode des beobachtens, analysierens, erkennens und künstlerischen verarbeitens ist konsistent mit meinem persönlichen kunstbegriff. kunst ist für mich ein prozess in fünf akten: erstens, das sehen, zweitens, das nachdenken über das gesehene, drittens, das erkennen des modularen charakters, viertens, die auswahl eines geeigneten moduls, fünftens, das schaffen komplexer systeme mittels dieses moduls. heute bin ich der überzeugung, dass dieses denken eine vielzahl künstlerischer gestaltungen zulässt, die über das sehr introvertierte, in sich selbst beschränkte werk, das ich bisher geschaffen habe, hinausgehen. gerade weil ich überall modular konstruierte systeme sehe, erkannte ich, dass der modulgedanke etwas universales ist; etwas, das immer neu interpretiert, in kontext gesetzt und erlebt werden kann. keineswegs ist das konzept des moduls auf bildnerische gestaltung oder meine bisherige technik beschränkt. im gegenteil bilden diese nur einen winzigen bruchteil der möglichkeiten, installationen von modulen zu erzeugen.   als mir dies klar wurde, empfand ich mein bisheriges schaffen als unzureichend, weil es diesen umfassenden modularen und installativen grundgedanken in eine einzige gestalterische form presst, deren variationsmöglichkeiten - was sowohl bild-herstellung als auch bild-erleben angeht! - äusserst beschränkt sind. die umfassende modulare idee habe ich quasi an allein eine gestalterische technik übereignet, nämlich die industrielle fertigung von bildobjekten; letztlich also von tafelbildern. diese auswahl hat aber rein historische gründe und ergibt sich keineswegs zwingend aus meinem modularen grundgedanken. sie ist sogar nachteilig, denn um eine modulare installation als tafelbild zu schaffen, muss ich zuerst zwei beschränkende prozesse durchlaufen - einen illusionistischen (digitale vektorgrafik) und dann einen maschinellen (industrieller druck). die bilder empfinde ich daher heute als visuelle gestaltungen modularer installationen, aber nicht als diese installationen selbst. sie sind vielmehr ein kühles, flaches abbild davon, und das definiert ihren beschränkten charakter. sie nehmen sich zu wichtig. denn ich will ja nicht abbilder oder visuelle repräsentationen komplexer systeme schaffen - das wäre ein rückfall in den illusionismus! ich will das modular konstruierte system an sich schaffen, das immer wieder neu gesehen, neu erlebt, neu gedacht werden kann. verglichen mit meinem früheren schaffen fühle ich momentan ein heraustreten aus dem introvertierten, in-sich-abgeschlossenen bereich in eine freiere, grössere sphäre des gestalterischen.  heute stimme ich daher robert rauschenberg fundamental zu, wenn er sagt, dass ein kunstwerk wirklicher ist, wenn es aus teilen der wirklichen welt gemacht ist. ich denke daher, dass der grundgedanke der modularen konstruktion, wie ich ihn beschrieben habe, fundamental unabhängig von bildkonzepten jeglicher art ist. diese erkenntnis aber eröffnete mir die freiheit, diesen grundgedanken auf eine vielzahl gestalterischer möglichkeiten zu erweitern. nicht das produzieren von bildern, sondern die modulare installation selbst will ich seither in den mittelpunkt stellen.   mein interesse für alles industrielle und biochemische liess mich erkennen, dass die ganze welt ein ewiger kreislauf aus modularer konstruktion und dekonstruktion ist. komplexe biologische systeme wie etwa der menschliche körper werden aus kleinsten modulen (atomen und molekülen) durch planmässige installation nach in der dna fixierten bauprinzipien geschaffen. nach dem tod zerfällt der körper wieder in diese module, die die natur anschliessend installativ neu verbindet, um alle möglichen neuen organischen dinge zu schaffen - ein ewiger kreislauf aus konstruktion und dekonstruktion, nichts geht verloren.   diese biochemischen prinzipien spiegeln sich in unserer gesellschaft. eine gewaltiger maschinenapparat produziert unaufhörlich die atome und moleküle unserer industriellen, in bürokratischen systemen organisierten lebenswelt - perfekte, genormte module, die entweder als solche konsumiert oder zur konstruktion komplexerer systeme benötigt werden.  diese systeme unterliegen natürlich, genau wie ihre biologischen pendants, dem ständigen zyklus von konstruktion und dekonstruktion. die komplette verwandlung des areals zürich-west ist ein eindrückliches beispiel für diesen gedanken: systeme (bauten) verändern sich, aber module (grundeinheiten der baumaterialien) bleiben und werden immer neu modular kombiniert.  als ich dies erkannt hatte, explodierten die ideen, wie ich module einsetzen könnte, um komplexe systeme zu erzeugen. im rahmen dieser neuen gedanken sah ich die welt plötzlich ganz anders. ich konnte etwa einen baumarkt besuchen und fand sofort dutzende von fertigteilen, massengütern und genormten flächenteilen, deren modulcharakter ich klar sehen und - wichtiger noch - deren eignung für künstlerische, installative arbeiten ich sofort erkennen konnte: heftstreifen, mdf-faserplatten, elektronische schaltelemente, legosteine, schrauben, stangen, metallstanzteile aller art, genormte acrylglas-, plexiglas- und metallplatten, teppich- und keramikfliesen, ziegelsteine, beton-formelemente. schrottplätze, supermärkte und vor allem baumärkte nehme ich als universen von modulen wahr. aufnahmen aus dem praktiker-baumarkt in konstanz (nr. 22-33) zeigen beispiele solcher module. es geht mir bei diesen aufnahmen übrigens nicht um fotografische ästhetik, sondern ich setze sie für mich lediglich als visuelle gedächtnisstützen ein.  solche industriell gefertigten massengüter sind für mich module von inhärenter künstlerischer qualität, die nur meistens ignoriert wird. sie geben mir die möglichkeit, unmittelbar wirkende installationen zu errichten statt umwege über den digitalen illusionismus und die produktionstechnik zu gehen. in einem so erzeugten system kann das einzelne modul in der gesamtheit des systems untergehen, ganz in analogie zu biochemischen strukturen. wie matthieu mercier sagt: die funktionale ordnung der dinge macht sie für andere verwendungen nicht ungeeignet.   zeitgleich begann meine beschäftigung mit den  readymades von duchamp und mit künstlerpositionen, die mit industriellen massenobjekten gearbeitet haben. ich studierte etwa dan flavins gebrauch von neonröhren als modulen, aus denen komplexere lichtanordnungen entstehen, sylvain lionnis einsatz von massenartikeln der konsumwelt, beat zoderers globosphäre und seinen einsatz aller möglicher alltagsmaterialien, jan henderikses gebrauch von münzen als gestalterischen grundeinheiten, gerwald rockenschaubs ordnungen farbiger, direkt an die wand montierter acrylglasplatten, martial raysses ordnungen von gegenständen aus industrieller produktion und mattieu merciers anordnungen industrieller objekte auf eleganten schwarzen regalflächen. durch diese studien konnte ich auch ideen entwickeln, wie mein ansatz von verwandten positionen abgegrenzt werden kann.   ich sehe mich als systemkonstrukteur. dieser ordnende, systembezogene gedanke unterscheidet meinen ansatz von reiner objektkunst, da ich keine dinge als selbstreferentielle objekte auswählen und präsentieren will, wie dies etwa duchamp mit dem urinal oder picasso mit dem stierschädel getan hat. ebensowenig sehe ich meine ideen als assemblage oder akkumulation, da bei mir der ordende gedanke und das erzeugen eines komplexen systems im vordergrund steht. für mich heisst installieren also nicht, objekte zu haufen, schüttungen oder freien gruppierungen anzuordnen, sondern das fertige system muss als komplexe beziehung vieler instanzen des moduls erkennbar sein. es geht mir auch nicht um den prozesshaften, performativen akt des installierens selbst. ich bin ausschliesslich am endprodukt, d.h. am fertigen modularen system interessiert.    mein arbeitsvorhaben ergibt sich als logische konsequenz aus diesen überlegungen. es hat eine theoretische und eine künstlerisch-praktische komponente. theoretisch will ich meine ersten naiven studien professionalisieren und vertiefen. wichtig ist mir das studium von künstlern, die modulare installationen geschaffen haben, um meinen eigenen ansatz hierzu abzugrenzen und weiterzuentwickeln. vor allem möchte ich lernen, wie ich von der intuitiv erfahrbaren wirkung solcher installationen zur erkenntnis ihrer systematischen konstruktiven prinzipien gelangen kann. vertieft beschäftigen möchte ich mich insbesondere mit john armleder, sylvie fleury, beat zoderer, françois morellet, richard artschwager und gerwald rockenschaub. schliesslich ist mir auch die literarische begleitung dieser aspekte sehr wichtig. ich will mein arbeitsvorhaben in begleitenden schriften und künstlerbüchern erklären und seinen fortschritt festhalten; nicht nur studieren und schaffen, sondern auch schreiben und reflektieren.  das künstlerisch-praktische ziel meines arbeitsvorhabens ergibt sich direkt aus meinen oben beschriebenen motiven. ich will modular aufgebaute komplexe systeme, also installationen, schaffen. wichtig ist mir hierbei die rein installative, ordnende verwendung der module. denn die module sind in meinem ansatz bereits fertig, sie dürfen daher nicht weiter bearbeitet werden - denn das wäre für mich ein rückschritt in den illusionismus und die in manipulation. ich will also die module nicht bemalen, schleifen, schreinern, schweissen oder verschmelzen, sondern sie lediglich nicht-invasiv kombinieren. das modul darf also nur insofern mit anderen stoffen in kontakt kommen, als dieser kontakt der konstruktion des systems dient. ich würde die module also verkleben, zusammenstecken, tackern, mit sicherheitsnadeln verbinden, vernähen, schichten oder verklemmen. die natur des moduls soll unangetastet bleiben, nur die verbindungselemente dürfen mit seinem körper oder seiner oberfläche interagieren. ob die so entstandenen komplexen systeme dann für das allgemeine publikum einen ästhetische qualität haben oder nicht, ist mir weniger wichtig. mit meinen arbeiten möchte ich systeme erschaffen, die immer wieder neu betrachtet und in neue zeitgenössische diskurse einbezogen werden  können, keinen optimalen betrachterstandpunkt haben, zum denken anregen, provozieren, denkschemata durchbrechen, glaubenssätze in frage stellen. sie sollen vor allem position im zeitgenössischen diskurs beziehen und unabhängig von individuellen ästhetischen empfindungen stehen.    um diese abstrakten gedanken zu verdeutlichen, beschreibe ich im folgenden einige projekte, die sich momentan in einem rein ideellen stadium befinden, aber im rahmen meines arbeitsvorhabens umgesetzt werden könnten. die reihenfolge der projekte ist rein zufällig und soll keine rangordnung nahelegen.  projekt 1: die grossflächige bestückung von béton-brut-oberflächen mit modulen intensiv farbiger, evtl. neonleuchtender, jedenfalls aber durchsichtiger platten in einem einheitsformat wie sie vom produzenten ausgeliefert werden. etwa entlang uferbefestigung des basler rheinknies oder entlang der zürcher hardbrücke. als material käme eloxiertes aluminium oder neonbeschichtetes acrylglas in frage. die module können mit durchsichtigem kraftkleber direkt am beton befestigt werden.  projekt 2: die wasserfläche. als modul: doppelseitig korrosionsbeschichtete, vollständig durchsichtige farbige spiegelglasplatten im format von 90 x 90 cm. sie verbinden sich zu einer rechteckigen beckengrundfläche aus schwarzen platten, etwa 30 x 30 module, wassertiefe ca. 60 cm. aus der grundfläche erheben sich, an besonders  definierten stellen, monochrome schichtungen aus modulen in rot, blau, gelb und grün. die höhen aller schichtungen stehen in harmonischen verhältnissen.   projekt 3: modular konstruierte stelen unterschiedlicher höhen, die frei im raum stehen, aber zueinander eine gruppe bilden. modul: schlanke hohle metallzylinder mit metallbändern oder gebündelte sammlungen aufrecht stehender schlanker metallstangen. die stelen selbst sind metallisch-monochrom, werden aber von dicken farbigen gummibändern in harmonischen abständen beringt. sie stehen auf einer grundplatte in einem innenraum.  projekt 4: farbig eloxierte, auf einheitslänge geschnittene metallketten oder seile (module) in einen raum gespannt mit hilfe von 90°-eckwinkeln, sodass sich rektanguläre strukturen von wand zu wand ergeben, die den raum teilen. die so gespannten ketten durchdringen sich gegenseitig und schaffen ein komplexes system. jedoch steht jede kette für sich: sie durchdringen sich zwar, verbinden sich aber nicht.   projekt 5: erzeugung nicht-funktionaler elektronischer schaltanordnungen, indem widerstände, drahtbrücken, dioden, lämpchen usf. (module) auf zusammengeleimten steckbrettern montiert werden. es ergibt sich ein microarray von positionen, die durch die gleichmässigen löcher der steckbretter definiert werden. die installation der module geschieht allein nach kompositorischen und proportionsgesichtspunkten. die ganze anlage wird auf einen etwa hüfthohen tisch gebaut und kann jederzeit wieder dekonstruiert werden.  projekt 6: einräumungen von abwechselnd weissen und farbigen kreidestäben (modulen), jedes etwa 10 cm hoch, in ca. zwei meter lange holzkästen, hierbei schichtung mehrerer übereinanderliegender ebenen. diese kästen werden dann auf augenhöhe an einer wand befestigt.  projekt 7: handwerkliche verflechtungen, verknüpfungen oder vernähungen industrieller massengüter aus plastik (module) wie etwa heftstreifen zur aufnahme und ablage von din a4-blättern. es entsteht ein komplexes interaktives system, ähnlich einem wandteppich (c) 2011 by marcus matthias keupp check out my about.me profile!